Ludwig Höfernig

Eisenbahner. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1902    † 1942

 

Lebenslauf

Ludwig Höfernig wurde am 13.8.1902 in Oberstein bei St. Veit/Glan geboren. Er war Oberbauarbeiter, später Zugbegleiter bei den österreichischen Bundesbahnen. Ludwig Höfernig war verheiratet und Vater eines Sohnes.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 13. 10. 1941 wurde Ludwig Höfernig verhaftet und am 25. 4. 1942 vom Reichskriegsgericht in Klagenfurt gemeinsam mit Maximilian Zitter, Andreas Waste, Johann König, Karl Zimmermann, Peter Schlömmer, Josef Straubinger, Michael Essmann und Richard Götzinger (alle hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 30.6.1942 erfolgte seine Hinrichtung im Landesgericht I in Wien.

Aus dem Urteil

„Der Angeklagte besitzt ein größeres Rundfunkgerät, das geeignet zum Empfang ausländischer Sender ist. Er bestreitet aber, jemals eine Sendung eines ausländischen Senders gehört zu haben. Er wird jedoch durch die Aussagen des Mitangeklagten Kuchler überführt. Dieser hat in drei gleich bleibenden Vernehmungen im Ermittlungsverfahren ausgesagt, dass er gemeinsam mit dem Mitangeklagten Zimmermann und Höfernig bei letzterem während des Jahres 1941 nach einem gemeinschaftlichen Gang auf den Pulverberg bei St. Veit englische Kriegsberichte gehört und anschließend an Hand der ausgebreiteten Landkarte besprochen habe. (…) Die Anklage geht davon aus, dass der Angeklagte in den Jahren 1939-41 Beiträge an die kommunistische ’Rote Hilfe‘ gezahlt habe. Höfernig bestreitet alles.“

An seine Familie, aus dem Landesgericht Klagenfurt, vom 29.12.1941 (Auszug)

"Liebe Mutti! Habe endlich am Samstag wieder Post erhalten. Es sind schon über 14 Tage her, wo ich die letzte Post erhalten habe. [...] Nach Neujahr wird, wie mir gesagt wurde, auch unsere Sache beschleunigt. Anfang Jänner sollen wir schon die Anklageschrift erhalten. Stelle dir vor, was das heißt, sich beim Reichskriegsgericht zu verantworten. Und warum? Soviel ich aus dem Haftbefehl entnehmen konnte, ist alles nur auf Verleumdung des Herrn K. zurückzuführen. Wann es zur Verhandlung kommen wird, weiß ich heute noch nicht. Ich werde dir, wenn es soweit ist, schon Näheres berichten. Vor allen Dingen, tue dich deshalb nicht beunruhigen, ich habe ein reines Gewissen, mit Sabotage habe ich nie etwas zu tun gehabt." [...]

Abschiedsbrief an seine Eltern aus der Todeszelle E76 im Landesgericht I Wien, vom 10.5.1942

"Lieber Vater! Ihr werdet erstaunt sein, von mir einen Brief zu erhalten. Ich hab bis jetzt immer nur meiner Frau und dem Buben schreiben können, weil ich nur alle vier Wochen habe schreiben dürfen. Diesmal ist es eine Ausnahme, weil es der Letzte ist. Da hab ich mehrere schreiben können, nämlich Abschiedsbriefe. Lieber Vater! Ich sitze hier in der Armensünderzelle und denke an euch alle, denn morgen früh gehe ich meinen letzten Weg. Hätte euch erspart gerne, aber das Schicksal ist unerbitterlich. Ich danke euch, sowie Tilli für alles Liebe und Gute, das ihr für mich getan habt. Lasst es nicht gar zu sehr zu Herzen gehen, mein Schicksal, es hat schon so sein müssen, dass ich euch auf eure alten Tage solche Sorgen bereite, müsst mir schon verzeihen. Habe getrachtet, dass ich mein Lebtag mich ordentlich durchs Leben gebracht habe, das habe ich bestimmt getan. Ich habe nichts verbrochen. Ich wünsche euch noch viele Jahre und Gesundheit, die ihr erleben solltet und gedenkt hie und da an euren unglücklichen Sohn. Nochmals vielen Dank für alles und die letzten Grüße an euch und Tilli. Viele Grüße auch Familie Biegl und Holler, auch meine Patin, eure Schwester. Auch den übrigen Bekannten die letzten Grüße, euer dankschuldiger Sohn Ludwig."

Gedenktafel, Denkmal

Sein Name steht auf der am 30. 6. 1946 enthüllten Gedenktafel am Bahnhof in St. Veit, ebenso auf dem Denkmal am Friedhof in St. Veit/Glan.

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Grab am Friedhof St. Veit/Glan

Ursprünglich am Wiener Zentralfriedhof (37-41-19); im April  1947 exhumiert und kremiert; im Mai 1947 am Friedhof in St. Veit/Glan beigesetzt.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Lisl Rizy, Willi Weinert: "Mein Kopf wird euch auch nicht retten" (Band 2), Stern-Verlag, Wien
  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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